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Sei nett, wann immer Du kannst! Von der Kritik- zur Lob-Gesellschaft.


Für einen Großteil von uns gilt: Kritik und Missmut gehen uns meist wesentlich schneller über die Lippen als ein Lob. Was im Freundeskreis und hoffentlich oft auch in der Partnerschaft gerade noch so funktioniert, setzt je nach sozialem Kontext dann aber mitunter völlig aus.


Warum haben wir offensichtlich so viele Schwierigkeiten damit, fremden Menschen oder Menschen, zu denen wir eine eher berufliche oder anderweitig professionelle Beziehung pflegen, zu loben oder ein (ernst gemeintes) persönliches Kompliment auszusprechen? Und damit meine ich keine einstudierten Pflichtfloskeln zum Start betrieblicher Kommunikation auf Firmenevents.


Zum großen Teil haben wir Lob und Komplimente zu formulieren und dann auch auszusprechen schlicht und ergreifend verlernt. Uns fehlt die Übung. Zumal wir selbst ja meist auch nicht gerade in täglichem, überschwänglichem Lob ertränkt werden und somit die entsprechende Handlungsmaxime abgeleitet aus unserem reichen Erfahrungsschatz hätten. Anders herum haben wir aber oft im Gegenzug auch Probleme mit der Annahme von Komplimenten und Nettigkeiten unserer Mitmenschen. Gerade im beruflichen Umfeld kann ein Lob mittlerweile oft Misstrauen anstatt Freude und Stolz wecken. Der Kollege oder Chef spricht ein seltenes Lob aus, also scheint er irgendetwas "im Schilde zu führen". Getoppt wird dieses Misstrauen noch, wenn uns Anerkennung offensichtlich fremder Menschen sprichwörtlich um die Ohren fliegt!


Völlig überfordert wird das Gesagte vom überraschten Gegenüber dann oft zerredet und zunichte gemacht. Erstaunlicherweise meist durch die eigene Abwertung dessen, was anerkennend bemerkt wurde. Erst kürzlich habe ich mir in der Straßenbahn wieder folgende Bemerkung, gerichtet an die mir gegenübersitzende Dame, erlaubt: "Ich finde die Handtasche, die Sie haben, echt super, die steht Ihnen prima!" Einem etwas verdutzten und ungläubigen Schreckmoment folgte stante pede "Oh, die ist schon ganz alt. Und Löcher hat sie auch schon ein paar." Auch das Annehmen von Komplimenten wird in unserer Gesellschaft also augenscheinlich zunehmend zum Problem. Gefreut hat sich die Dame nach anfänglichem "Schock" dann aber eben doch. Na, siehste!


Nicht hinter jedem Lob oder Kompliment steckt gleich eine "feindliche Absicht". Und wenn doch, so zwingt uns niemand, das in Folge eventuell Geforderte auch zu liefern. Viel mehr haben wir die Freiheit, selbst zu entscheiden, auf welchen Nährboden das Gesagte fällt. Versuchen wir doch zur Abwechslung einfach einmal nette Worte eben nur positive, nette Worte sein zu lassen, die uns Freude bereiten. Blenden wir die eigene Interpretation und ständiges Hinterfragen einfach aus. Andersherum: Beweisen wir doch den Menschen in unserem Umfeld künftig, dass Lob und Wertschätzung auch einzig und allein die Absicht haben kann, seinem Gegenüber etwas Nettes zu sagen und ihm ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Übergriffige und unangebrachte Bemerkungen mit Verletzung der Privat- oder Intimsphäre sind selbstverständlich zu keiner Zeit erlaubt.


Beim Austeilen von Lob und Komplimenten zieren wir uns all zu oft. Einerseits wie eingangs erwähnt oft schlicht und ergreifend mangels Übung, andererseits aber auch aus Angst, der andere könnte uns unlautere Absichten unterstellen. Wir sind so sparsam mit dem Ausdruck von Wertschätzung, als hätten wir davon nur eine bestimmte Menge in der Tasche. Als wäre es ein Zeichen von Schwäche, wenn wir anderen nett begegnen. Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass eine eventuelle Bewertung von ausgesprochenem Lob mehr über den Bewerter selbst aussagt, als über den, der gelobt hat. Uns bricht also kein Zacken aus der Krone, wenn wir mit Lob und Wertschätzung künftig etwas großzügiger umgehen!


Kritik hingegen schleudern wir unserem Gegenüber gern unreflektiert und vorschnell ins Gesicht - ohne Rücksicht auf Verluste: Selbstwertgefühl zum Beispiel. Kritik kann - und sei sie auch noch so konstruktiv formuliert - je nach persönlichem Boden, auf den sie fällt, trotzdem ein scharfes Schwert sein. Während bei anerkennendem Lob und persönlichkeitswahrender, respektvoller Wertschätzung wohl keinerlei schädliche Effekte auf die menschliche Psyche zu erwarten sind. Daher selbst bei berechtigter Kritik doch erst einmal mit einem wertschätzenden Lob beginnen. Soviel Zeit muss auch im Job sein.


Also seien wir doch einfach nett zu einander, wann immer möglich. Das wirkt nicht nur auf unsere Umwelt, sondern auch auf uns selbst äußerst positiv. Die unzähligen Studien, die den Zusammenhang psychischer Verfassung und körperlicher Widerstands- und Belastungsfähigkeit - und somit körperlicher Gesundheit - belegen, spreche ich hier nicht weiter an.


Wie heißt es doch so schön: Wenn dir ein Mensch ohne Lächeln begegnet, dann schenk ihm einfach deins! Nutzt beiden und tut nicht weh! Kleiner Feldversuch gefällig? Wenn wir auf der Straße Menschen im Vorbeigehen anlächeln, erhalten wir in 98% der Fälle ein Lächeln zurück. Einfach mal ausprobieren! Das Leben ist schon ernst genug.

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